UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
Allgemeine Anfragen
Kartensperren
UniCredit Bank Austria UniCredit Bank Austria
Wir sind für Sie da
VideoTelefonie testen
OnlineBanking | BusinessNet
Vorlesen

Kommentar

Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Optimistisch ins Jahr 2017, aber mehr Risiken am Horizont

Verbesserte Konjunkturdaten und eine aufgehellte Stimmung prägen zum Jahreswechsel 2016/17 weltweit das Konjunkturbild. Das sind optimistischere Vorgaben als im Jahr 2016, das von einer leichten globalen Verlangsamung der Konjunktur geprägt war. Trotz einer Reihe von potenziellen Störfaktoren, wie den Wachstumssorgen um China im Frühjahr, der Brexit-Entscheidung der Briten zu Mitte des Jahres und dem überraschenden Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen, hat sich die globale Wirtschaft 2016 aber krisenresistent gezeigt. In Europa hat sich die Erholung, getragen von der Inlandsnachfrage, weiter gefestigt, das BIP legte um 1,6 Prozent zu und erstmals seit drei Jahren hat die österreichische Wirtschaft, unterstützt durch die Steuerreform, mithalten können.

Kann die günstigere Ausgangslage zu Beginn 2017 auch in eine dynamischere Konjunkturentwicklung im laufenden Jahr umgesetzt werden? Wir glauben ja und gehen für 2017 von einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent gegenüber rund 3 Prozent im Vorjahr aus, unverändert gekennzeichnet durch eine sehr niedrige Dynamik des globalen Handels und ein eher nur mittelmäßiges Wachstum der Industrieländer. Die Konjunkturbelebung wird demnach überwiegend von den Wachstumsmärkten getragen werden. Aber auch in einigen Industrieländern, insbesondere in den USA, ist mit einer Wachstumsbeschleunigung zu rechnen. Das US-Wirtschaftswachstum wird sich von 1,6 Prozent auf 2,4 Prozent 2017 erhöhen, gestärkt durch den nachlassenden konjunkturellen Gegenwind vom starken US-Dollar und der Investitionszurückhaltung im Energiebereich infolge des niedrigen Ölpreises. Zusätzlich befeuert wird die US-Konjunktur 2017 durch fiskalische Impulse. Die Steuer- und Investitionspläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump sind zwar in ihrem Ausmaß noch nicht bekannt, positive Wachstumseffekte sind jedenfalls zu erwarten und treffen auf eine US-Wirtschaft, die bereits unter hoher Auslastung agiert. Höherer Lohndruck könnte sich als Risiko für Unternehmensprofite und die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft erweisen und auch die Inflation anheizen. Wir gehen von einer beinahe Verdoppelung der Inflationsrate auf 2,5 Prozent im Jahresdurchschnitt 2017 aus. Das wird die schrittweise Normalisierung der Geldpolitik durch die US-Notenbank Fed vorantreiben. Nach jeweils nur einer einzigen Anhebung des Leitzinssatzes 2015 und 2016, erwarten wir für 2017 zwei Zinsschritte nach oben in den USA.

Die europäische Wirtschaft wird 2017 eine spürbar geringere Wachstumsdynamik als in den USA erreichen, aber die Erholung setzt sich im mittlerweile gewohnten moderaten Tempo fort. Wir erwarten ein gegenüber 2016 kaum verändertes Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, gedämpft durch die Auswirkungen eines höheren Ölpreises, der bis Ende 2017 auf 60 USD pro Barrel zulegen dürfte, und der nachlassenden Unterstützung durch den bislang schwächeren Euro. Unterstützung erfährt die europäische Wirtschaft weiterhin durch leicht positive fiskalische Impulse und die sehr entgegenkommende Geldpolitik der EZB. Angesichts einer auf 1,5 Prozent im Euroraum steigenden Inflation wird die EZB jedoch Ende 2017 weitere Schritte zur graduellen Rückführung des Wertpapieraufkaufprogramms setzen, allerdings ohne vorerst von der Nullzinssatzpolitik abzuweichen. Unter diesen Rahmenbedingungen wird in Österreich die Inlandsnachfrage auch 2017 die bestimmende Kraft bleiben. Die Unterstützung dürfte jedoch etwas geringer werden als im laufenden Jahr, da sich unter anderem die Effekte der Steuerreform auf den Konsum abschwächen werden. Zudem dürften die Investitionen, beeinflusst von dem risikoreicheren globalen Umfeld, nicht mehr ganz so dynamisch ausfallen wie 2016. Das Wirtschaftswachstum, das wir in Österreich 2017 mit 1,6 Prozent erwarten, wird stärker als im Vorjahr von einer Belebung des globalen Wachstums und des Außenhandels abhängen.

Die mit unseren Prognosen verbundene Abwärtsrisiken sind höher als 2016 einzuschätzen, angesichts von Unsicherheiten, wie den bevorstehenden Verhandlungen über den „Brexit“, wirtschaftspolitische Überraschungen im Zuge der US-Präsidentschaft von Donald Trump insbesondere in Hinblick auf mögliche zunehmende protektionistische Tendenzen mit Auswirkungen auf den Welthandel und auf die Konjunktur in den Schwellenländern, sowie Wahlentscheidungen in Europa, unter anderem in Frankreich und Deutschland.

  

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 3. Jänner 2017.