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Kommentar

Stefan Bruckbauer, Chefökonom Bank Austria

Politische Risiken treten wieder stärker in den Hintergrund - mehr Augenmerk auf EZB?

 

Die Wahl in den Niederlanden und der erste Wahlgang in Frankreich scheinen einen Trend zu bestätigen: 2017 könnte ganz anders als 2016 werden. Während die großen politischen Ereignisse von 2016, die Abstimmung im Vereinigten Königreich und die Präsidentschaftswahlen in den USA, als relativ „ungefährlich“ für die Märkte erwartet wurden, hat der Schock danach zu einer Überschätzung der politischen Risiken 2017 geführt. Vor allem die Finanzmarktteilnehmer und Medien aus den USA und dem Vereinigten Königreich sahen ein großes Risiko für die EU und den Euroraum, dementsprechend lag bis zuletzt der Euro zum USD um 5 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr, der Aktienkursanstieg im Euroraum blieb rund 3 Prozentpunkte hinter jenem der USA zurück, obwohl die Bewertungen im Euroraum weiterhin noch deutlich günstiger sind.

Zunehmend werden diese Risiken wieder etwas realistischer eingeschätzt, auch wenn natürlich politisch im Euroraum mit seinen neunzehn Regierungen immer etwas Unerwartetes geschehen kann. Aber daraus kontinuierlich das Ende des Euroraums ableiten zu wollen, ist übertrieben. Zunehmend akzeptieren auch die Investoren diese Sicht, und nach dem zweiten Wahlgang in Frankreich wird dies noch mehr der Fall sein. Der Finanzmarkt wird sich dann wieder stärker der entscheidenden Frage zuwenden, wie es mit den Zinsen weitergeht. Während die Antwort in den USA einfacher scheint - die US Notenbank wird ihren Zinserhöhungszyklus fortsetzen -, ist der Pfad für den Euroraum etwas unklarer. Zwar hat die EZB einen deutlichen Weg signalisiert, nämlich weitere Anleihekäufe – wenn auch monatlich nur mehr 60 statt der ursprünglich 80 Mrd. Euro – bis zumindest Ende 2017 und die Ankündigung, im zweiten Halbjahr zu entscheiden, wie es 2018 weiter geht. Zur Diskussion steht die Frage des Tempos des Auslaufens der Käufe und ob man schon während man kauft Zinsen erhöhen kann, vor allem die Negativzinsen auf Einlagen.

Die Antwort auf diese Frage wird maßgeblich die langfristigen Zinsen im Euroraum in den nächsten Monaten beeinflussen, die ja bereits zu steigen begonnen haben. Die langfristigen Zinsen wiederrum haben einen starken Einfluss auf die Bewertung fast aller Vermögenswerte, von Aktien bis Immobilien.

Was kann nun die EZB in ihrer Entscheidung beeinflussen? Allen voran die Inflation, vor allem die Inflationserwartung. Die aktuellen Inflationsraten sind hier kein Indiz, da sie praktisch zur Gänze von den Rohstoffen beeinflusst sind. Die Kerninflation ist entscheidend und die hat sich noch wenig nach oben bewegt, zuletzt ist sie sogar wieder auf 0,7 Prozent zurückgegangen. Bestimmungsfaktoren für die Kerninflation sind Wachstum und der Arbeitsmarkt, sprich die Lohnentwicklung. Um die EZB erkennbarer zu einer offensiveren Politik zu bewegen, braucht es also starke Konjunkturdaten, starke Arbeitsmarktdaten und stärkere Lohnanstiege. Die Konjunkturdaten der letzten Wochen waren sehr vielversprechend, die Arbeitsmarktdaten ebenfalls, bei den Löhnen tut sich jedoch noch nicht viel.

Aber mit zunehmender politischer Entspannung im Euroraum – ein wichtiger, wenn auch nicht explizit erwähnter Faktor für die EZB – und einem weiterhin starken Arbeitsmarkt im Euroraum können wir auch zumindest etwas mehr Bewegung bei der EZB erwarten. Dies wird genügen, um die langfristigen Zinsen zu erhöhen. Vorläufig aber, jedenfalls im Euroraum, noch in einem Rahmen, der für die Bewertung vieler Vermögensklassen nicht gefährlich ist, zumal hier Unterstützung von der starken Konjunktur kommt.

 

 

Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Bank Austria

Stand: 24. April 2017.